Der Bärlauch ist einer der ersten Frühlingsboten in Mitteleuropa und ein beliebtes essbares Wildkraut. Der Bärlauch ist jedoch nicht nur kulinarisch ein Highlight, er hat auch gesundheitlich einiges zu bieten.

Die ersten Sonnenstrahlen kitzeln im Gesicht und Vogelgezwitscher ist aus allen Richtungen zu hören. Unten den Füßen raschelt noch das alte Laub, welches über den Winter liegen geblieben ist. Der Bach plätschert gemächlich neben einem. Alles duftet nach Knoblauch. Jawohl, ich sitze am Waldboden und pflücke vorsichtig die grünen Blätter ab- es ist wieder Bärlauchzeit.
Steckbrief
Der Bärlauch (Allium ursinum) gehört zur Familie der Lauchgewächse. Auch Hexenzwiebel oder Waldknoblauch genannt, ist er eine typische heimische Wildpflanze des Frühlings und hat seinen Ursprung hier in Europa.
Bärlauch wächst in Auenwäldern und entlang von Bächen, er mag es schattig und feucht. Die Pflanze ist sehr ausbreitungsfreudig, weshalb man ihn mittlerweile auch in Parks und Gärten finden kann. In der Regel bildet Bärlauch große Pflanzenteppiche.
Wie der Name schon vermuten lässt, hat der Waldknoblauch ein intensives, knoblauchartiges Aroma. Die Blätter des Bärlauches sind lanzettförmig und wachsen auf einem einzelnen, leicht rundlichen Stiel. Die Blattoberseite ist glänzend, hellgrün bis dunkelgrün, während die Blattunterseite matt und eher hell ist. In Richtung Blattspitze verlaufen die länglichen Blattnerven.
Neben den Blättern, kann man auch die unterirdisch wachsenden Zwiebeln des Bärlauchs wie auch die Knospen kulinarisch und gesundheitsunterstützend verwenden. In seiner Blütezeit von Ende März bis Ende Mai trägt die Pflanze dann weiße, sternenförmige Blüten. Die ersten Blätter kommen oftmals bereits im Februar zum Vorschein.
Verzehr & Verwendung in der Naturheilkunde
Durch seinen unverkennbaren, knoblauchartigen Geruch und -geschmack wird der Bärlauch gerne als Gewürzkraut in verschiedensten Gerichten wie Suppen, Salaten und Saucen verwendet. Besonders die jungen Blätter, bevor die Pflanze zu blühen beginnt, haben einen intensiven Geschmack.
Man sollte Bärlauch generell erst am Ende zu einem Gericht hinzufügen, da das Aroma durch zu hohe Hitze schnell an Intensität verliert. Auch beim Trocknen kann einiges vom Geschmack verloren gehen. Das Einfrieren ist jedoch kein Problem.
Durch zu viel Hitze beim Kochen geht allerdings nicht nur das Aroma, sondern auch die unzähligen enthaltenen Nährstoffe nach und nach verloren. Bereits in der Antike und im Mittelalter wurde Bärlauch, damals als wilder Knoblauch bezeichnet, wegen seiner gesundheitsfördernden Wirkung geschätzt und sogar als Heilpflanze eingesetzt. Im frühen 12. Jahrhundert hat Hildegard von Bingen den Waldknoblauch bei Verdauungsstörungen und zur Blutreinigung empfohlen. Des Weiteren wurde die Pflanze bei Blähungen, Bauchschmerzen, Einschlafproblemen und zum Auslösen von Wehen bei Schwangeren oder bei Stimmproblemen verwendet. In Essig eingelegte Bärlauchblätter sind zum Beispiel bis heute ein bekanntes Hausmittel bei Zahnproblemen.

Die beliebte Wildpflanze ist reich an Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen. Er enthält beispielswiese viel Vitamin A und B sowie Eisen, Kalium und Calcium. Bärlauch hat zudem dreimal so viel Vitamin C wie Orangen! Was dieses Vitamin alles kann findet man in unzähligen Artikeln im Internet (am Ende des Beitrag angeführt). Daher hier nur ein kurzer Überblick, was Vitamin C in unserem Körper bewirkt:
- immunstärkend
- entgiftend
- antioxidativ
- kräftigt das Bindegewebe
- Gefäßsschutz
- verbessert Aufnahme von Kalzium und Eisen
Besondere Aufmerksamkeit verdienen außerdem die enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe, insbesondere die verschiedenen Schwefelverbindungen wie etwa Alliin. Bei Kontakt mit dem ebenfalls im Bärlauch enthaltenen Enzym Allinase wird Alliin zu Allicin umgewandelt- dies passiert beispielsweise beim Knicken des Bärlauchblattes. So entsteht übrigens der knoblauchartige Geruch. Allicin sagt man eine keimtötende und antibakterielle Wirkung nach. Zudem gilt es als natürliches Antibiotikum und wirkt schleimlösend bei Erkältung und Bronchitis. Die Schwefelverbindungen aktivieren außerdem die Galle und Leber und fördern somit die Verdauung im Magen und Darm. Sie sind auch gut bei Bluthochdruck und senken den Cholesterinspiegel. Allicin wird aufgrund seiner zellzerstörenden Eigenschaften auch in der Krebsforschung eingesetzt und könnte eine vielversprechende Heilmethode bieten.
Bärlauch ist außerdem extrem Chlorophyll-haltig. Er besitzt sogar mehr als die Brennessel- eine wahre Königin der Wildkräuter. Chlorophyll hat große Ähnlichkeit mit dem im Blut enthaltenen Blutfarbstoff Hämoglobin und verbessert daher die Blutbildung, unterstützt die Sauerstoffversorgung und wirkt entgiftend. Zum Thema Chlorophyll wird es sicherlich noch einen weiteren Beitrag geben, weil dieses Thema so unglaublich umfangreich und faszinierend ist.
Bärlauch sicher sammeln
Bärlauch ist in Mitteleuropa weit verbreitet und kann relativ einfach gefunden werden. Immer der Nase nach lautet das Gebot! Bereits ab Februar sprießen die grünen Blätter mit den ersten Sonnenstrahlen aus dem Boden. Hat man die Wildkräuter dann gefunden geht es auch schon ans Sammeln. Aber Achtung! Bevor du fröhlich drauf los pflückst, vergewissere dich, dass es sich auch tatsächlich um Bärlauch handelt und du nicht auf einen giften Doppelgänger hereingefallen bist.
Im Grunde gibt es vier giftige Verwechsler des Bärlauchs: das Maiglöckchen, die Herbstzeitlose, den Aronstab und den Weißwurz. Alle dieser Pflanzen ähneln dem Bärlauch vom Aussehen und wachsen auch mehr oder weniger gerne an den selben Stellen und zur gleichen Zeit. Eine Verwechslung kann, bei der richtigen Dosis, tödlich enden. Mit etwas Aufmerksamkeit kann man jedoch gut erkennen, welche Pflanze welche ist.
Bärlauch erkennt man schon von weitem durch seinen starken Knoblauchgeruch. Jedoch ist es sehr gefährlich, sich alleine auf diesen Geruch zu verlassen, obwohl keiner der vier Doppelgänger den typischen knoblauchartigen Geruch aufweist. Für die ersten Pflanzen ist der Geruch auch tatsächlich ein ausschlaggebendes Merkmal des Bärlauchs, jedoch nehmen die Finger schnell den intensiven Geruch an und plötzlich riecht alles nach Waldknoblauch. Somit ist der Geruch KEIN sicheres Unterscheidungskriterium.

Was zur Identifizierung von Bärlauch herangezogen werden kann sind folgende Punkte:
- Nur ein Blatt pro Stiel
- Matte, helle Blattunterseite
- Weiße, doldige Blüte
Das Maiglöckchen als auch die Herbstzeitlose hingegen haben glänzende Blätter, an der Ober- als auch Unterseite. Zudem wachsen mehrere Blätter pro Stiel. Der Stiel ist bei der Herbstzeitlose gar nicht sichtbar. Sobald die Pflanzen blühen, kann man den Unterschied leicht erkennen- ab diesem Zeitpunkt gibt es eigentlich keine Verwechslungsgefahr mehr. Das Maiglöckchen blüht für gewöhnlich erst 2 Monate nach dem Bärlauch. Die Herbstzeitlose erst im Spätsommer.
Eine Verwechslung mit dem Aronstab ist sehr selten und nur bei ganz jungen Blättern möglich. Der gefleckte Aronstab weist mehrere Blätter pro Stiel auf, diese wachsen kreisförmig aus dem Stiel. Die Blätter sind außerdem eher herzförmig. Sobald der Aronstab größer wird, bekommen die Blätter seine charakteristischen Flecken.
Ebenso wie beim Aronstab ist eine Verwechslung des Bärlauchs mit dem Weißwurz nur zu Beginn des Frühlings gefährlich. Die Blätter des Weißwurz wachsen jedoch wechselständig und sind eher gräulich-grün.


Zusammenfassend ist es wichtig, sich nicht nur auf ein Kriterium zu verlassen, sondern auf mehrere Unterscheidungsmerkmale zu achten.
Für den sicheren Umgang mit Wildkräutern braucht es ein wenig Grundwissen und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Instinkte. Wer sich bei einer Pflanze unsicher ist sollte lieber die Finger davon lassen!
Nach dem Verzehr sollte man auf folgende Symptome achten: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Sehstörungen (gelb oder verschwommen), veränderter Herzschlag oder Bewusstseinsstörungen. Diese könnten auf eine Vergiftung eines Bärlauch Doppelgängers hinweisen. Hier heißt es schnell zu handeln und den Giftnotruf bzw. bei klaren Symptomen den Notruf zu wählen.

Und noch etwas wichtiges zum Sammeln von Bärlauch und Wildkräutern im Allgemeinen. Achte immer auf geltende Naturschutzgesetze im jeweiligen Land. Oft darf man nur eine kleine Menge der Pflanze sammeln- außer man hat eine besondere Sammelgenehmigung.
Der Bärlauch spielt eine wichtige Rolle im Ökosystem Wald. Er verbessert beispielsweise die Bodenqualität der oberen Bodenschichten und liefert nach der Blütezeit wertvolle Nährstoffe. Auch Ameisen und Fluginsekten wie Bienen sind auf die Samen und ersten Blüten als Nahrung angewiesen. Darum ist ein respektvoller Umgang mit Wildpflanzen von großer Bedeutung. Man sollte daher nie die gesamte Pflanze ausreißen, sondern nur ein paar der Blätter sammeln. So stellt man sicher, dass auch im nächsten Jahr wieder ausreichend Bärlauch wächst.
Abschließend kann man sagen, dass der Bärlauch eine unglaublich tolle und vielseitig anwendbare Pflanze ist. Neben der kulinarischen Verwendung, kann man dieses Wildkraut auch hervorragend für gesundheitsfördernde Zwecke wie etwa bei Verdauungsstörungen, Erkältung und Bluthochdruck anwenden.
Na, hast du Lust bekommen? Dann ab in die Natur zum sammeln!
Schau doch bei meinen Rezepten vorbei- hier findest du ein leckeres Bärlauch-Pesto!

Weiterführende Literatur und verwendete Quellen:
kraeuter-buch.de – https://www.kraeuter-buch.de/kraeuter/Baerlauch.html
Zentrum der Gesundheit – https://www.zentrum-der-gesundheit.de/ernaehrung/lebensmittel/kraeuter/baerlauch
Becker, E. Lubera.com – https://www.lubera.com/de/gartenbuch/baerlauch-verwechslung-p4583
Buschfunkistan. Der Bärlauch ist da! Und viele weitere Wildkräuter im Februar 2023 – https://www.youtube.com/watch?v=jSaZ1tA0JRw
Buschfunkistan. Bärlauch (Allium ursinum) – Standort, Merkmale, Inhaltsstoffe, Wirkung, Verarbeitung. – https://www.youtube.com/watch?v=vQTllNEXlb0
Vitamin C – https://www.gesundheit.gv.at/leben/ernaehrung/vitamine-mineralstoffe/wasserloesliche-vitamine/vitamin-c.html
Zentrum der Gesundheit. Vitamin C: Ein Allroundgenie – https://www.zentrum-der-gesundheit.de/ernaehrung/vitamine/vitamin-c-uebersicht/vitamin-c
Plantura Garden – https://www.plantura.garden/kraeuter/baerlauch/baerlauch-pflanzenportrait


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